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Kleiner Grenzverkehr

Die Eifel ist Naherholungsziel und Tourismusregion zugleich – ideal für Camper.

Ihre Gipfel waren einst über 2.000 Meter hoch, an ihrer Küste brauste das offene Meer. Nach Jahrmillionen steter Erosion ist sie eines der ältesten europäischen Mittelgebirge: die Eifel ist gut für Superlative. Drei Nationen fordern ihren Anteil an der Region zwischen Aachen, Koblenz und Trier: Belgien, Luxemburg und Deutschland. Doch damit nicht genug. Auch die Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz läuft mitten durch den Landstrich.

Diese Zersplitterung hatte in der Vergangenheit durchaus Vorteile. Mit Schmuggel ließ sich gutes Geld verdienen. Und die Grenze zu Belgien war nicht weit. Inzwischen sind im geeinten Europa die Schmugglerpfade längst überwuchert. Heute lässt es sich etwa in Belgien und Luxemburg günstiger tanken oder Kaffee, Tabak und Schokolade einkaufen. Andererseits stöhnen die Eifler aber auch schon mal über ihre Nachbarn, die in Scharen zum Shoppen kommen, denn in Deutschland ist es grundsätzlich preiswerter. Entsprechend voll sind die Geschäfte am Wochenende. Einen Parkplatz etwa in der Innenstadt von Trier finden, wenn drüben ein Feiertag ist, der in Deutschland nicht begangen wird? Vergiss es.

Teilweise nehmen die lokalen Rangeleien groteske Züge an. Beispiel Effelsberg in Nordrhein-Westfalen. Dort ruht in einem sehr stillen Tal das zweitgrößte Radioteleskop der Welt. Der Standort ist Programm, denn selbst Handyempfang stört das empfindliche Instrument, das aberwitzig kleine Signale aus dem Äther fischt. Doch eigentlich lag Effelsberg im finanzschwachen Rheinland- Pfalz. Kein Problem – die Landesgrenzen wurden kurzerhand neu definiert und um das Radioteleskop herumgezirkelt. Die Böden der Eifel geben nichts her. Selbst die Ziegen machen einen weiten Bogen um die Sauerwiesen und wollen sich nicht an den Silberdisteln stechen. Schätze gibt es allenfalls unter der spärlichen Krume. So profitiert der Süden der Eifel von der Vulkanasche, die sich bis heute einigermaßen rationell im Tagebau abbaggern lässt. Erze wie Eisen oder Blei liegen jedoch tiefer. Wer da ran wollte, musste leiden.

In Hellenthal-Rescheid steht die Bleigrube Wohlfahrt den Besuchern offen. Dort ist ein Entwässerungsstollen aus dem 16. Jahrhundert erhalten. Wer in ihn hineinschauen will, muss auf die Knie. Der Gang ist gerade mal 90 Zentimeter hoch und 50 Zentimeter breit. Hier kauerte ein Mann bis zu den Knien im Grubenwasser und schlug mit Hammer und Meißel auf den Schiefer ein – bei neun Grad im Sommer wie im Winter. Er schaffte im Jahr 30 bis 40 Meter. Der alte Stollen ist über 1.000 Meter lang.

Not macht erfinderisch. In Neroth bei Daun erzählt ein kleines, sehr sympathisches Museum die Geschichte eines Dorfschullehrers, der sein Hungerleiden beendete und anfing, Drähte zu biegen. Bald produzierte der ganze Ort in Heimarbeit bei Kerzenlicht. Am bekanntesten wurden die Mausefallen, welche die „Mousfallskrämer“ als Handlungsreisende zu Fuß bis in die Schweiz und Ungarn vertrieben.

Die Eifel hat einen schweren Stand. Wer aus ihr stammt, galt zumindest früher als rückständig, arm oder beides. Nur wenige haben es zu Ruhm und Reichtum gebracht, etwa der Schlagersänger Heino, gelernter Konditor aus Bad Münstereifel, der dort auch das Rathaus-Café betreibt. Ansonsten verliefen die Dialoge mit Auswärtigen eher so: „Woher kommst du denn?“ „Aus Daun.“ „Ist das nicht in der Eifel?“ „Nee, die ist weiter hinten.“

Keine Frage, die Eifel wächst über die vielen Grenzen hinweg erst noch zu einer Einheit. Es gibt keine Tracht, kein gemeinsames Brauchtum. Doch stehen die Chancen für eine Identität gut, denn die Region eint schon mal der traditionelle Döppekoochen, ein Kartoffelauflauf mit Speck. Das war früher ein Armeleute-Essen, heute ist es eine regionale Spezialität.

Und überall im Land regen sich die Landwirte, Konditoren und Gastronomen. Es entstand die Regionalmarke Eifel, um klein- und mittelständische Strukturen in der ländlich geprägten Mittelgebirgsregion zu stärken. Das Label darf nur verwenden, wer kontrollierte Qualität und die garantierte Herkunft aus dem Naturraum Eifel für den Verbraucher transparent nachweisen kann. Dabei entstehen so köstliche Dinge wie Schinken, Edelbrände, süße Vennbrocken oder Hörnchen mit Sahne, genannt Dütchen.

Die Eifel ist auch berühmt für ihr Bier. Das bekannteste wird in Bitburg gebraut. Fast authentischer schmeckt allerdings das naturtrübe Eifler Landbier aus der Gemünder Brauerei. Apropos, Harald Schmidts TVGefährte, der Wanderfan und bekennende Biertrinker Manuel Andrack, hat auch in der Eifel seine Spuren hinterlassen.

Wer es noch nicht gemerkt hat: Die Eifel ist ein Wanderund Radfahrerparadies erster Güte. Highlights sind das Hochmoor Hohes Venn und die drei teils internationalen Nationalparks, in denen auch Ranger Führungen anbieten. Der Reinhold Messner der Mittelgebirge, Manuel Andrack, kürte in seinem Buch „Du musst wandern“ den Lieser-Pfad von Daun nach Wittlich zum Schönsten der Welt. Ein gutes Urteil, denn die 40 Kilometer lange Strecke ist sehr abwechslungsreich: Teils führen schmale Wege am felsigen Hang vorbei, die zusätzlich durch Geländer gesichert sind. Mal wandert es sich auf breiten Wegen durch den Wald. Dann geht´s steil den Berg hinauf, um eine Engstelle der Lieser zu umgehen. Zwischendrin ergeben sich immer wieder phantastische Ausblicke auf die Dauner Maare oder die Burgen von Manderscheid.

Die Pleiner Mühle bietet sich kurz vor Wittlich für eine Verschnaufpause an. Die Speisekarte ist übersichtlich, aber das Angebot herzhaft und preiswert. Und noch ein Grund spricht fürs Einkehren. Andrack: „Nicht dass die Eigentümer mangels Umsatz dichtmachen müssen und ich da kein Bier mehr trinken kann. Danke.“

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Eifel-Camp Freilinger See, Blankenheim-Freilingen

Noch im Bau

Schweres Gerät steht noch auf dem kleinen Bauhof am Freilinger See: Bagger, Traktor, Lkw. Ernst Lüttgau, der Geschäftsführer des Eifel-Camps, hat Pläne. In den nächsten Jahren wird er seinen Platz komplett erweitern und umkrempeln. Seine Maxime: „Ich will in abgegrenzten Bereichen jeweils unterschiedliche Bedürfnisse befriedigen.“ Dazu möchte er beispielsweise das ohnehin schon große Ferienhaus- Gebiet erweitern und auch Häuser mit 70 statt der bisher üblichen 40 Quadratmeter Grundfläche anbieten.

Lüttgau wird für die Touristen Komfortplätze einrichten. Die Versorgungssäulen aus Edelstahl lagern schon im Bauhof. Sie bieten nicht nur Beleuchtung, TV-Steckdose, Strom und einen integrierten Chemieausguss, sondern auch Anschlüsse für Frisch- und Abwasser. Eine besondere Konstruktion macht die Säulen frostsicher, da sie bis zu einem Meter unter der Erdoberfläche leerlaufen.

Es wird auch ein paar Luxusplätze mit privaten Sanitärhäuschen geben. Die Pläne liegen in der Schublade. Auch die für einen Reisemobilhafen vor der Schranke, damit die Fahrzeuge rund um die Uhr bewegt werden können. Allerdings sollen dort auch Caravaner unterkommen können, die etwa nur eine Nacht lang angekuppelt stehen wollen.

Vor der Schranke befindet sich jetzt schon ein Zeltplatz. Lüttgau: „Meine Gäste sind gerne dort, weil das Fehlen einer Einfriedung eine besondere Atmosphäre herstellt – näher an der Natur.“

Das ruhige Gelände ist in Terrassen angelegt, alte Bäume spenden Schatten. Mehrere Touristen teilen sich eine Wasserstelle mit Ausguss. Teilweise lässt sich ein TV-Kabel anschließen. Der Freilinger See liegt oberhalb des Platzes. Wer zu ihm möchte, um dort zu angeln oder zu baden, muss das Gelände verlassen und in einem kleinen Tunnel die Landstraße unterqueren.

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(Camping, Cars & Caravans 11/2007)