Zwischen Orchideen und Wacholder

Unser heutiger Wandervorschlag führt in eins der größten Naturschutzgebiete Nordrhein-Westfalens: Das Lampertstal südlich von Blankenheim, ergänzt um die Wacholderhänge rund um Alendorf. Die „Dollendorfer Kalkmulde“ ist ein riesiges Korallenriff aus der Devonzeit (390-360 Millionen Jahre). Wegen der schnellen Erwärmung und hohen Wasserdurchlässigkeit der Kalkfelsen gedeihen hier Pflanzen, die man ansonsten im Mittelmeerraum oder in den Alpen antreffen kann.

Bis Juni verwandeln sich die trockenen Hänge und lichten Wacholderbestände in ein vielfarbiges Mosaik: Eine Vielzahl seltener Pflanzen hat jetzt ihre Blütezeit, allen voran zahlreiche Orchideenarten vom gefleckten und kleinen Knabenkraut über das große Zweiblatt, den Hängenden Mensch und die Waldhyazinthe bis zur Fliegenragwurz, dem Brandknabenkraut und der Händelwurz. Wer zum ersten Mal wild wachsende Orchideen sieht, ist oft enttäuscht über ihre unscheinbare Größe, verglichen mit den tropischen Exemplaren unserer Gärtnereien. Man muss sich zuerst auf Augenhöhe mit diesen Pflanzen begeben, um die umwerfende Schönheit und häufig auch den feinen Duft ihrer Blüten zu erleben. Aber auch an anderen seltenen und geschützten Pflanzen sind die Trockenrasen reich: Während die im zeitigen Frühjahr zu Tausenden blühende violette Küchenschelle bereits ihre besenartigen Fruchtstände ausgebildet hat, befinden sich Knöllchen-Steinbrech, bitteres Kreuzblümchen, Kugelblume, Akelei, Bergklee, Katzenpfötchen und Karthäusernelke in voller Blüte.

Besondere Vorsicht sollte man im Lampertstal walten lassen, wo sich jetzt überall die kräftigen, staudenartigen Blätter und Knospen des tödlich giftigen Eisenhuts ausbilden. Aber nicht nur die Botanikfreunde kommen bei dieser Wanderung auf ihre Kosten; der Blick von der Höhe auf das von Wacholderhängen rundum eingeschlossene Alendorf ist eine der schönsten Ansichten in der Nordeifel.

Seltsam mystisch mutet die Lage der Alten Kirche auf einer Anhöhe abseits des Dorfs an. Hier beginnt ein Kreuzweg, der im 17. Jahrhundert von einem Grafen von Manderscheid-Blankenheim in Erfüllung eines Gelübdes errichtet wurde und zum Kalvarienberg hinaufführt, wo heute nur noch ein steinernes Kreuz an die Stelle erinnert, wo sich damals eine Kapelle erhob. Jedes Jahr in der Karwoche ziehen die Bewohner von Alendorf mehrfach diesen Kreuzweg betend entlang als Vorbereitung auf das Osterfest. Leider ist die Alte Kirche in Alendorf nur von außen zu besichtigen; dafür entschädigt ein Besuch in der Pfarrkirche des Ausgangs- und Zielortes Ripsdorf. Das Besondere der Ripsdorfer Kirche ist das durch Mittelsäulen in zwei gleichhohe Hallenschiffe getrennte Langhaus. Der Kardinal Nikolaus von Kues brachte diese Architekturform um 1450 in seine Heimat Kues an der Mosel, von wo sie sich über die Grafenfamilie der Manderscheider auch in die Eifel ausbreitete. Ripsdorf sowie das Nachbardorf Hüngersdorf gehörten kurioser Weise bis 1725 als Exklaven zum Herzogtum Jülich und kamen erst dann durch Tausch zur Reichsherrschaft Manderscheid-Blankenheim. Bis dahin gab es also hier an der Straße Schlagbäume und Zollhäuschen!

Das Dorf selbst besitzt eine für die Nordeifel recht untypische Form; es ist ursprünglich ein Reihendorf entlang einer über die Höhe verlaufenden Dorfstraße. Dies hat vielleicht mit seiner Entstehung zu tun, denn in den Hängen des Schafbachtales wurde über Jahrhunderte nach Eisenerz gegraben. Vermutlich stellten von der Abtei Steinfeld ins Land geholte wallonische Berg- und Hüttenleute einen bedeutenden Teil der mittelalterlichen Ripsdorfer Bevölkerung, und sie siedelten anders als die Eifeler Bauern.

Ein verheerender Brand zerstörte im frühen 19. Jahrhundert fast das gesamte Dorf; die beiden wunderbar restaurierten Fachwerkhäuser des 17. Jahrhunderts an der Tränkgasse sind neben Pfarrhaus und Kirche die letzten architektonischen Zeugen des früheren Ripsdorf.

Der Wanderweg

Vom Parkplatz durch die Tränkgasse bis zum Ortsrand. Wo die Fahrstraße eine Linkskurve macht, zunächst geradeaus (37,W) und nach 50 m halblinks auf einem Wiesenweg hinab ins Schafbachtal (37,W). Bei der Einmündung an der Bushaltestelle die Fahrstraße nach links queren und auf geteertem Weg an der Ripsdorfer Mühle entlang dem Schafbach aufwärts folgen ( C,10,11,37). Hinter dem Anwesen geht der Teerweg in einen Wiesenweg über, der durch das Bachtal in das Dörfchen Ahrmühle führt.

Hinter dem ersten Haus zur Linken links auf der kleinen Fahrstraße in Richtung Waldorf ( C, JH, 37). Nach 700 m an einer Straßengabelung links ( C, JH,37) und am Ortsschild nochmals links in den Ahrmühlenweg (37). An dessen Ende halblinks in die Waldorfstraße und am Ende des Ortes links auf die Fahrstraße Richtung Ripsdorf. Unmittelbar hinter der Brücke über den Bonnesbach rechts (37) und nach 20 m geradeaus auf einen mäßig ansteigenden Wiesenpfad an einer Viehweide entlang. Bei einem Hochsitz geradeaus auf einem Feldweg aufwärts zum Gras bewachsenen Grießheuel, dem höchsten Punkt der Wanderung (563 m). Hier den Weg nach links verlassen, um von der Spitze des Hügels Fernsicht und Vegetation zu genießen.

Auf der Höhe Teerweg queren und gegenüber bei einem Wegekreuz auf einen eben verlaufenden Wiesenweg (37). Unter einer Hochspannungsleitung an einer Weggabelung halblinks (37), nun durch den Kiefernwald leicht fallend hinab zur Alten Kirche von Alendorf. Vor der Friedhofhecke rechts hinab und dann links über einen Pfad in den Kirchhof. Alte Kirche durch das Eisentor bei der ersten Kreuzwegstation verlassen und nach 40 m Fahrstraße queren. Bei der zweiten Kreuzwegstation geradeaus in einen Wiesenweg (36,38) und nach 100 m rechts zum Fuß des Kalvarienberges (36,38). Kreuzwegstationen über den grasigen Hügel bis zum Kreuz auf der Spitze folgen.

Hinter dem Steinkreuz führt ein Wiesenpfad links hinab durch den Wacholderhang ins Lampertstal (36,38). Bei der Einmündung auf den Feldweg links und nun dem Bachtal abwärts folgen (36,38). Nach etwa 800 m biegt WZ 36 nach links und kurz dahinter WZ 38 nach rechts ab, wir halten uns aber noch 600 m weiter geradeaus. 30 m hinter einer Bank zur Linken links auf einen Feldweg, der durch ein seitlich einmündendes Wiesental leicht ansteigend auf die Höhe führt (35). Nach ca. 900 m bei einer Feldscheune rechts auf einem geteerten Wirtschaftsweg (35,36) wieder in die Ortslage Ripsdorf. Am Ende der Halfenstraße rechts in die Hauptstraße, auf der nach gut 100 m der Parkplatz erreicht wird.

(Kölnische Rundschau, 03.06.05)